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Bildung beginnt im Elternhaus – PISA 2025

Die aktuelle PISA-Studie wurde am 8. September 2026 veröffentlicht. Sie untersucht die Leistungen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen sowie im computergestützten Problemlösen.

An PISA 2025 nahmen mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. Sie stehen für rund 33 Millionen 15-Jährige weltweit. Damit ist PISA 2025 die bislang größte Erhebung dieser Art.

Für Deutschland sind die Ergebnisse schockierend. In Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen wurden die schlechtesten Ergebnisse gemessen, seit Deutschland an den PISA-Studien teilnimmt.
Deutschland liegt in Naturwissenschaften auf Platz 23, beim Lesen auf Platz 24 und in Mathematik auf Platz 25.

Damit erreicht Deutschland in den drei klassischen PISA-Bereichen einen historischen Tiefstand.



Für mich führt deshalb die entscheidende Frage über die reine Statistik hinaus: Welche Grundlagen braucht ein Kind heute, damit Lernen gelingt und es auf eine sich ständig weiterentwickelnde Welt vorbereitet ist?

PISA liefert Daten. Entscheidend ist, wie wir sie analysieren, hinterfragen und welche Schlüsse wir daraus ziehen.

 

Frühkindliche Bildung

Bildung beginnt lange vor der Einschulung.

Sprache wird in den ersten beiden Lebensjahren vor allem im familiären Umfeld erworben, durch Eltern, Großeltern und andere enge Bezugspersonen.



Im Elternhaus wird auch vorgelebt, welchen Wert Wissen und Bildung haben. Kinder erleben früh, ob Fragen willkommen sind, ob Neugier gefördert wird und ob Interesse an der Welt selbstverständlich dazugehört.

Sie lernen sprechen, weil mit ihnen gesprochen wird. Sie erweitern ihren Wortschatz durch Zuhören, Erzählen und Vorlesen. Bücher, Geschichten, gemeinsames Spielen, Basteln und das Entdecken der Natur fördern Sprache, Konzentration, Vorstellungskraft und Verständnis. Auch Großeltern können dabei eine wertvolle Rolle übernehmen.

Kinder wollen verstehen, wie die Welt funktioniert. Sie fragen, beobachten, probieren aus und entdecken Zusammenhänge. Diese natürliche Neugier ist eine wichtige Grundlage für Bildung.

 

Kindergarten und Vorschule schaffen Grundlagen

Mit dem Kindergarten erweitert sich die Lebenswelt eines Kindes.

Kinder lernen dort Sprache und Gemeinschaft. Sie spielen miteinander, teilen, warten, nehmen
Rücksicht, lösen Konflikte und lernen Regeln kennen.

Gerade das letzte Kindergartenjahr hat für mich einen besonderen Stellenwert.
Beim Malen, Basteln, Zeichnen und Ausschneiden entwickeln Kinder Feinmotorik, Hand-Auge-Koordination, Konzentration und Geschicklichkeit. Einen Stift sicher halten, mit einer Schere umgehen, Formen zeichnen und Flächen ausmalen sind Fähigkeiten, die später beim Schreiben gebraucht werden.

Ein verpflichtendes Vorschuljahr vor der Einschulung halte ich deshalb für sinnvoll. Das ist meine bildungspolitische Einschätzung und kein Ergebnis der PISA-Studie.
Elternhaus, Kindergarten und Vorschule können sich hier wirkungsvoll ergänzen.

 

Schule baut auf frühen Grundlagen auf

Mit der Einschulung beginnt das systematische Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen.

Die Grundschule baut auf den Grundlagen auf, die Kinder mitbringen. Diese sind besonders wichtig, damit Lernen von Anfang an gelingt. 
 

Lesen – verstehendes Lesen

Lesen und verstehendes Lesen sind zwei verschiedene Fähigkeiten.

Lesekompetenz entwickelt sich in der Schule und bleibt eine wichtige Grundlage für Bildung.
Dazu gehört für mich auch die Auseinandersetzung mit tagesaktuellen Texten aus Zeitungen, Zeitschriften und digitalen Medien. Kinder und Jugendliche lernen dadurch, Informationen zu erfassen, zu hinterfragen und Zusammenhänge zu verstehen.

Verstehendes Lesen und verstehendes Zuhören sind wichtige Grundlagen für Kommunikation und Lernen.

Hinhören allein bedeutet noch nicht, das Gesagte verstanden zu haben. Entscheidend ist, Inhalte zu erfassen, Zusammenhänge zu verstehen und sich mit dem Gesagten auseinanderzusetzen.

Nach meinen Beobachtungen liegen genau hier häufig große Schwierigkeiten: beim Verstehen dessen, was gelesen wird, und beim Verstehen dessen, was gesagt wird.

Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz und ständig verfügbarer Informationen werden diese Fähigkeiten immer wichtiger.

 

Bildung ist das Resultat von verstandenem Wissen

Am Anfang steht das Interesse und die Neugier an Wissen und an der Frage, wie Dinge zusammenhängen.

Wissen allein ist noch keine Bildung. Auswendiglernen ist noch kein tieferes Verstehen. 

Bildung entsteht für mich, wenn Informationen und Wissen hinterfragt werden, wir uns damit auseinandersetzen, daraus eigene Erkenntnisse entwickeln, eigene Schlüsse ziehen und im Endeffekt verstehen.

 

Bildungssprache Deutsch

Viele Kinder wachsen mehrsprachig auf. Welche Sprache zu Hause gesprochen wird, ist Sache der Familie.

Wer in Deutschland eine deutsche Schule besucht, braucht ausreichende Deutschkenntnisse. Deutsch ist die Unterrichtssprache und die gemeinsame Grundlage für Lernen und Kommunikation in der Schule.

Die Vorbereitung darauf beginnt im Elternhaus und im Kindergarten. Eltern tragen Verantwortung dafür, ihre Kinder auf den Schulbesuch in Deutschland vorzubereiten.

Ausreichende Sprachkenntnisse geben Kindern die Möglichkeit, dem Unterricht zu folgen, Aufgaben zu verstehen, Fragen zu stellen, sich auszudrücken und Lernerfolge zu erleben.

Internationale Schulen mit einer anderen Unterrichtssprache sind davon zu unterscheiden.

Die Aufgabe der Schule liegt im Vermitteln von Bildung in einer gemeinsamen Unterrichtssprache. Lehrkräfte brauchen diese gemeinsame Sprache, um Wissen zu vermitteln und Unterricht durchzuführen.

 

Digitale Kompetenz statt digitaler Verbote

Die digitale Welt gehört zum Alltag von Kindern und Jugendlichen.
Smartphones, Social Media, Suchmaschinen und künstliche Intelligenz sind Teil unserer heutigen Welt und werden auch ihre Zukunft prägen.

Deshalb ist für mich die entscheidende Frage: Wie lernen Kinder und Jugendliche, damit kompetent und verantwortungsvoll umzugehen?

Entscheidend ist die Art der Nutzung.

Kinder und Jugendliche brauchen Wissen darüber, wie soziale Medien funktionieren, wie Informationen geprüft, Quellen verglichen sowie Fake News und Manipulation erkannt werden.

Dazu gehören Kenntnisse über Datenschutz, Algorithmen, Cybermobbing und künstliche Intelligenz.
Digitale Kompetenz gehört für mich als eigenes Unterrichtsfach auf den Bildungsplan.

Eine oder zwei Stunden pro Woche können Wissen und Fähigkeiten vermitteln, die Kinder und Jugendliche heute und in Zukunft brauchen.

Die Welt entwickelt sich weiter.

Bildung bereitet Kinder auf diese Welt vor und vermittelt ihnen Fähigkeiten, sich darin selbstständig, kritisch und verantwortungsvoll zu bewegen.

 

Lockdowns – Corona-Maßnahme gehört zur Ursachenanalyse 

Die heute 15-Jährigen waren während der Corona-Zeit in einer entscheidenden Phase ihrer schulischen Entwicklung. Viele von ihnen besuchten damals die Grundschule oder standen kurz vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule.

Über einen langen Zeitraum prägten Lockdowns, Schulschließungen, Distanzunterricht und Wechselunterricht ihren Schulalltag.

Gerade in der dritten und vierten Klasse werden wichtige Grundlagen für Lesen, Schreiben, Mathematik und den weiteren Bildungsweg gelegt.

Deutschland war auf digitalen Unterricht nur unzureichend vorbereitet. Viele Schulen hatten Schwierigkeiten mit der technischen Ausstattung und der Organisation des Distanzunterrichts. Auch für Lehrkräfte war diese Form des Unterrichtens teilweise neu.

In vielen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern habe ich erfahren, wie unterschiedlich diese Zeit erlebt wurde. Auch Eltern waren stark gefordert. Neben Beruf und Alltag begleiteten sie plötzlich einen großen Teil des Lernens zu Hause.

Hinzu kamen soziale Isolation und die Einschränkungen durch die Lockdowns.

Betroffen waren auch Kindergartenkinder sowie Erst- und Zweitklässler. Kindergärten waren zeitweise geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet. Für viele Kinder fehlte dadurch ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf die Schule.

Auch der Schulstart fand für viele Kinder unter außergewöhnlichen Bedingungen statt. Lernen, soziale Kontakte und das Ankommen in der Schule waren eingeschränkt.

Diese jüngeren Jahrgänge stehen heute noch nicht im Mittelpunkt der aktuellen PISA-Erhebung. Die Auswirkungen dieser Zeit auf ihre weitere schulische Entwicklung werden sich in den kommenden Jahren genauer zeigen.

Schule und Kindergarten bedeuten mehr als Betreuung und Unterricht. Kinder lernen dort gemeinsam, entwickeln Sprache, soziale Fähigkeiten und Grundlagen für ihren weiteren Bildungsweg.

Für mich gehören die Lockdowns und die Corona-Maßnahmen deshalb klar zur Ursachenanalyse der heutigen PISA-Ergebnisse und zur Betrachtung zukünftiger Bildungsstudien.

 

Ein Bildungssystem für das 21. Jahrhundert 

Deutschland braucht für mich ein einheitliches Bildungssystem auf Bundesebene. 

Unterschiedliche Lehrpläne, Anforderungen, Schulformen und Bildungswege in 16 Bundesländern passen nicht mehr zu einer mobilen Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

Familien wechseln aus beruflichen oder persönlichen Gründen ihren Wohnort. Kinder wechseln dabei die Schule und teilweise auch das Bildungssystem. Kinder und Eltern brauchen bundesweit verlässliche und vergleichbare Strukturen.

Auch Schulabschlüsse brauchen innerhalb Deutschlands vergleichbare Anforderungen und einen vergleichbaren Wert.

Der Bildungsweg eines Kindes darf nicht davon abhängen, in welchem Bundesland es lebt.
Die Welt verändert sich. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Veränderungen und eine mobile Arbeitswelt stellen neue Anforderungen an Bildung.

Bildung im 21. Jahrhundert braucht ein Bildungssystem für das 21. Jahrhundert.

 

Was ist die Lösung?

Für mich beginnt die Lösung früh.

Dazu gehören gezielte Sprachförderung bereits im Kindergartenalter, ein verpflichtendes Vorschuljahr und eine verbindliche Überprüfung der sprachlichen, motorischen und sozialen Voraussetzungen vor der Einschulung.

Für den Besuch einer deutschen Schule braucht ein Kind zur Einschulung ausreichende Deutschkenntnisse. Diese können altersgerecht und spielerisch überprüft werden.

Bei weiterem Förderbedarf bekommt das Kind gezielte Unterstützung und mehr Zeit. Ein weiteres Jahr in einem Förderkindergarten oder in einer Förderklasse bietet dafür Raum.

Digitale Kompetenz gehört für mich als eigenes Unterrichtsfach auf den Bildungsplan.

Dazu kommen verlässliche Schulen, ausreichend Lehrkräfte und Unterricht, der Wissen vermittelt, Denken fördert und zum Hinterfragen anregt.

Das sind meine Lösungsansätze. Darüber kann diskutiert werden.

 

PISA liefert Daten – Bildung zieht Schlüsse

PISA liefert Daten und zeigt Entwicklungen.

Die entscheidende Arbeit beginnt für mich danach.

Welche Grundlagen brauchen Kinder heute?
Welche Veränderungen brauchen Kindergarten, Vorschule und Schule?
Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen, um sich in einer Welt zurechtzufinden, die sich ständig weiterentwickelt?

Für mich beginnt Bildung im Elternhaus.

Sie entwickelt sich im Kindergarten und in der Vorschule weiter, wird in der Schule vertieft und begleitet uns ein Leben lang.


Herzlichst, Kathrin Woerner 


PISA 2025 Ergebnisse – Bereit für die Zukunft? 

https://www.oecd.org/de/publications/pisa-2025-ergebnisse-band-i-auszugsweise-ubersetzung_1562a447-de.html


 

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