Freiheit – ein großer Begriff in unserer lauten Welt
Freiheit wird vielfach benutzt, unterschiedlich verstanden. Wahre Freiheit ist: frei zu denken, zu sprechen, zu handeln, zu gestalten. Freiheit beginnt innen – im Raum der Wahl. In der Haltung, das eigene Leben bewusst zu gestalten. Dieses innere Empfinden von Selbstverantwortung eröffnet Entwicklungsspielräume.Ein Anlass zur Auseinandersetzung mit diesem Thema war die mediale Aufmerksamkeit rund um Laura Dahlmeier. Sie verunglückte tödlich durch einen Steinschlag, während des Abstiegs von einer anspruchsvollen Bergtour in Pakistan. Eine Bergung war bis heute nicht möglich - aus Sicherheitsgründen wurde sie abgebrochen, auch auf ihren Wunsch, falls Lebensgefahr für Retter bestünde. Allein dieser Aspekt macht deutlich, wie extrem und in welcher Dimension sich ihre Bergtour bewegte: Hier stand nicht mehr symbolisch Freiheit im Raum - sondern reale Lebensgefahr. In einem früheren Interview sprach sie davon, in den Bergen ein tiefes Freiheitsgefühl zu erleben. Ihre Worte berühren und laden ein, genauer zu reflektieren, was Freiheit im Kontext von Risiko, Vorbildwirkung und persönlicher Grenze bedeutet.
Freiheit und Grenzerfahrung – zwei Wirklichkeiten
Grenzerfahrungen erzeugen Dichte. Körper und Geist fokussieren. Erleben intensiviert sich. Solche Erfahrungen vermitteln ein Gefühl von Lebendigkeit. Gleichzeitig schaltet der Körper auf Funktionsmodus: Adrenalin und Cortisol übernehmen Steuerung. Entscheidungen entstehen oft reflexhaft statt bewusst.Freiheit, die sich nur in Extremsituationen zeigt, ruht weniger auf Wahlkraft und mehr auf Reaktion. Wo Raum für bewusstes Erleben fehlt, kann Freiheit sich kaum entfalten.
Freiheit im bewussten Wählen – nicht in zwanghafter Grenzsuche
Ein prägender Moment in meiner Vergangenheit zeigt dies deutlich: Als Eisschnellläuferin im DDR-Leistungssport war Doping systemisch verordnet. Ich entschied mich bewusst dagegen, weil ich wissen wollte: Meine Leistung entspringt eigenem Potential, Training, Disziplin, Kraft. Dieser Moment war Ausdruck von Freiheit. Es war ein Bewusstwerden des eigenen Wahlraums – eine Entscheidung im Einklang mit innerem Wert.
Vorbildwirkung trifft auf Verantwortung
Öffentliche Persönlichkeiten bewegen andere. Aussagen über Freiheit, Risiko, Erfüllung wirken besonders auf Menschen, die nach Orientierung suchen. In Gesprächen mit einer Psychologin wurde deutlich, dass solche Aussagen eine emotionale Dynamik in Richtung Risikobereitschaft bis hin zur Suchbewegungen entfalten können – oft ohne Bewusstsein über Konsequenzen.Ein bewusster Umgang mit diesen Dynamiken eröffnet neue Perspektiven: Einen Freiheitsbegriff, der inspiriert – nicht überspannt.
Der Werther‑Effekt – literarische Symbolkraft mit Wirkung
Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zeigt: Erzählerische Figuren erzeugen Nachhall. Viele Leser identifizierten sich so stark mit der Figur, dass ihr eigenes Handeln danach ausgerichtet wurde. Der Werther‑Effekt beschreibt diesen Nachahmungseffekt.In einer medial vernetzten Welt wirken Geschichten heute rascher und emotionaler. Grenzerfahrungen, öffentlich erzählt als Ausdruck von Tiefe, entfalten symbolische Wirkung – prägend für Menschen, die nach Sinn suchen.
Der goldene Mittelweg – Balance zwischen Ruhe und Entwicklung
Viele Menschen wachsen nicht durch Extrem, sondern durch klare Schritte aus der Komfortzone in den Raum der Entwicklung. Der goldene Mittelweg steht für bewusste Balance. Er verbindet innere Sicherheit mit klarem Wachstum, Bedeutung mit Verantwortung.Dieser Weg benötigt keine Inszenierung, sondern Klarheit. Kein Druck, sondern Orientierung. Kein Sprint, sondern nachhaltigen Schritt.
Freiheit ist Reife – kein Akt der Rampensucht
Mit zunehmender Sensibilität für mentale Gesundheit entsteht Bewusstsein. Bei Themen wie Suizid, Trauma, psychischer Belastung wird mit unterstützender Sprache berichtet. Im Bereich Risikoinszenierung fehlt eine solche bewusste Haltung oft.Freiheit wirkt nicht laut. Sie ist kein Emotionsrausch, keine extremische Inszenierung. Sie ist ein Zustand, genährt durch Klarheit, Selbstverantwortung, inneren Kompass.
Einladung zur Bewusstwerdung
Vielleicht stehst du in einem Übergang. Vielleicht fragst du dich, wo deine Freiheit beginnt. Wo Klarheit die Entscheidung lenkt. Diese Gedanken laden ein: Nicht zur Nachahmung der Extremität, sondern zu einem inneren Gespräch. Zu einem Pfad zur inneren Freiheit durch Bewusstheit, Schritt für Schritt.Dieser Beitrag steht für ein Freiheitsverständnis, getragen von Reife. Für eine Vorbildkultur, inspiriert durch Verantwortung. Für Menschen, die gestalten, statt reagieren. Für Leben mit innerer Klarheit, Bewusstsein und Tiefe.
Herzlichst, Kathrin Woerner
Life & Business Coach | Mutter | ehemalige Leistungssportlerin